Trendgewicht

Die Waage lügt – und was Du dagegen tun kannst

Wer schon mal abgenommen hat, kennt das Phänomen: das Gewicht auf der Waage bewegt sich die ersten 2-3 Tage nach unten und man freut sich, gleich mal zwei Kilo abgenommen zu haben.

Aber nach diesen scheinbaren Anfangserfolgen treten auch immer wieder Tage auf, wo das Gewicht einen Satz nach oben macht – und das, obwohl man sich peinlich genau an die Diät-Vorgaben gehalten hat. Na gut, da war diese klitzekleine Ausnahme – aber dafür gleich mit solchen Zuwächsen bestraft zu werden?

An dieser Stelle steigen die meisten Abnehmwilligen aus – das Konzept funktioniert ja offensichtlich nicht, die Waage zeigt was anderes. Dabei wäre man tatsächlich auf dem richtigen Weg gewesen!

Woran liegt das?

Wasser- und Glycogen-Schwankungen

Der Körper stösst zu Beginn einer Diät gespeichertes Wasser ab – das sind die 2-3 kg Verlust in den ersten Tagen. Läuft die Abnahme noch länger, werden (vor allem, wenn die Ernährung nicht eiweissreich genug ist) Muskeln als Hauptenergieverbraucher abgebaut. Die erste Stufe dieses Abbaus ist die Entleerung der Energiespeicher direkt an den Muskeln und in der Leber – hier wird Energie nicht in Form von Fett, sondern als Glycogen (lies: Zuckerwasser) gespeichert. Sind diese Vorräte verbraucht, macht das im Schnitt 1,4 kg aus.

Das ganze geht aber auch ruckzuck in die andere Richtung – will der Körper neue Zellen bauen oder befindet sich die Frau im Monatszyklus, wird Wasser eingespeichert.

Die Glycogen-Speicher füllen sich hingegen wieder sofort, sobald man Kohlenhydrate isst: ein Teller Nudeln oder eine Pizza kann dazu führen, dass die Waage am nächsten Tag deutlich „zu viel“ anzeigt.

Täglich wiegen oder wöchentlich?

Diese täglichen Schwankungen können einen Abnehmenden völlig verzweifeln lassen – man macht alles richtig und möchte dafür auch seine Belohnung in Form von Verlusten auf der Waage sehen. Für viele ist sie das einzige Feedback, ob die Diät funktioniert oder nicht.

Eine oft empfohlene Methode ist, sich nur einmal wöchentlich zu wiegen. Das hat den Vorteil, dass man nicht mehr an 7 von 7 Tagen verrückt gemacht wird, aber wenn an dem einen Wiege-Tag das Gewicht nach oben geschnellt ist, ist auch hier die Enttäuschung groß.

Eine Woche Abnahme – das Gewicht auf der Waage (die Säulen) schwankt auf und ab – scheinbar hat sich gar nichts getan. Die blaue Trendlinie zeigt hingegen, dass tatsächlich 600g verloren wurden.

Der Ausweg: das Trendgewicht

Wäre es nicht schön, wenn man sein richtiges Gewicht sehen könnte, ohne die Wasser- und Glycogen-Schwankungen? Uns interessiert doch nur der Fettverlust?

Apps wie Libra oder auch fddb.info haben einen Knopf namens „Trend“, der diese Schwankungen aus den Gewichtskurven entfernt – plötzlich sieht man ruhige, entspannte Kurven, statt hektischer Auf- und Abbewegung. Abnehmende, die sich nur diese Trendkurve ansehen, können sehr gut erkennen, ob sie zu- oder abnehmen. Recht siehst Du das schwankende Waagengewicht als Säulen, das Trendgewicht ist die leuchtend blaue Kurve.

Im Beispiel rechts wurden in einer Woche 600 Gramm abgenommen – die schwankenden Waagengewichte (die Säulen) zeigen das überhaupt nicht, das Trendgewicht beweist klar, dass es stringent abwärts geht.

Wie funktioniert das Trendgewicht?

Der „Trend“ ist eine Funktion aus der Statistik und wird prominent an der Börse verwendet: Aktienkurse legen das gleiche Zick-Zack-Verhalten an den Tag, je nach Kauf und Verkauf der Aktien – wie kann man da erkennen, ob der Wert der Firma steigt oder fällt, da geht es schließlich um Millionen?

Der Trend nimmt eine „Glättung“ der Kurve vor.

Was den Abnehmenden in den Wahnsinn treibt, sind (durch das Wasser/Glycogen verursachte)  „Ausreisser“ in den Messwerten, also Werte, die zu weit vom realen Wert liegen. Wie erkennt diese Methode nun, was „real“ und was „Ausreisser“ ist?

Erster Ansatz – der Durchschnitt

Bildet man von vielen Werten einen Durchschnitt, kommt man schon recht nah an das „reale Gewicht“ oder den „realen Wert einer Firma“ heran. Messe ich an 6 Tagen 100 kg und am siebten Tag 102, wird das „Trendgewicht“ eher bei 100 kg als bei 102 kg liegen – klar. Weder Fettabbau noch -aufbau geht so schnell, dass da von einem Tag auf den anderen 2 kg mehr drauf wären, es handelt sich also um unsere Störfaktoren.

Das Durchschnittsgewicht dieser Woche ist also 6 * 100 + 1 * 102 = 702 : 7 = 100,2 kg.

Das könnte man ebenso mit der Woche davor und der Woche davor machen und hätte dann 3 Durchschnittswerte, die eine sehr grobe Kurve ergäben – aber die wäre allemal „richtiger“ als das, was uns der Zick-Zack-Kurs der reinen Waagenmessungen erzählt.

Zweiter Ansatz – der wandernde Durchschnitt

Wenn wir schon Daten für drei Wochen Gewichtsmessungen haben, können wir auch gleich was anderes probieren – wir lassen den Durchschnitt wandern, zeitlich.

Den ersten Durchschnitt bilden wir in Woche 1 von Montag bis Sonntag.

Den zweiten Durchschnitt dann von Dienstag bis Montag.

Den dritten von Mittwoch bis Dienstag und so weiter.

Jetzt erhalten wir für 21 Tage nicht nur 3 Durchschnittswerte, sondern sehr viel mehr – und eine deutlich glattere Kurve.

Der Nachteil – die Methode ist recht grob. Wir beziehen für einen berechneten Gewichtswert immer den Durchschnitt einer ganzen Woche mit ein. Das heisst im Klartext: eigentlich gehen wir davon aus, dass sich in der Woche nichts verändert hat, wir ermitteln ja das Durchschnittsgewicht.

4 Wochen Abnahme, 900 Gramm Verlust. Das Waagengewicht (die Säulen) zeigt nur ein Auf und Ab, gegen Ende sogar höher als das Startgewicht, die blaue Trendlinie zeigt deutlich, dass es nach unten geht.

Dritter Ansatz – der Trend

Jetzt macht die Statistik an der Stelle einen gelungenen Gedankensprung: da mich die Entwicklung des Gewichtes / der Aktie der letzten Woche interessiert, ist der heutige Wert viel wichtiger als der Wert vor einer Woche. Oder gar als das Gewicht vor zwei Wochen oder vor einem Jahr.

Und wenn in der Statistik ein Wert „wichtiger“ ist, als ein anderer, dann „gewichtet“ man diese Werte, indem man sie mit einem beliebigen, ausgedachten Faktor multipliziert. Man kann also rechnen:

GewichtMontag * 1

+ GewichtDienstag * 2

+ GewichtMittwoch * 3

+ GewichtDonnerstag * 4

+ GewichtFreitag * 5

+ GewichtSamstag * 6

+ GewichtSonntag * 7

Das ganze muss man nun natürlich statt durch 7 (Tage) durch (7+6+5+4+3+2+1) teilen, damit wir wieder richtig liegen. Die Gewichtungsfaktoren erhöhen also tatsächlich den Einfluss des letzten Ergebnisses und lassen das älteste Gewicht geringer ins Ergebnis eingehen.

Im Vergleich, so berechnen wir den normalen Durchschnitt: Jeder Tag ist gleich wichtig, deshalb ist der Gewichtungsfaktor überall 1:

GewichtMontag * 1

+ GewichtDienstag * 1

+ GewichtMittwoch * 1

+ GewichtDonnerstag * 1

+ GewichtFreitag * 1

+ GewichtSamstag * 1

+ GewichtSonntag * 1

Das ganze machen wir auch wieder „bewegend“ über die Messwerte und erhalten so eine schöne, glatte Kurve, die Ausreisser ignoriert und somit die Wasser- und Glycogenspeicher.

Du erhältst eine Angabe über dein „wirkliches“ Gewicht also aus möglichst vielen täglichen Messwerten. Tägliches Wiegen ist also wichtig, damit wir den Trend berechnen lassen können, denn das Ergebnis auf der Waage allein ist noch nicht zur Beurteilung geeignet.

Lass dich von der Waage nicht mehr verrückt machen – hol dir eine App, die die Trendkurve anzeigt und erfahre endlich, dass deine Diät funktioniert und Du tatsächlich abnimmst.

Und dann mit voller Motivation Richtung Wunschgewicht – viel Erfolg!

Marc Winking beschäftigt sich schon seit langem mit dem Trendgewicht und seiner Berechnung nicht zuletzt weil er diesen in seine eigenen App integrieren möchte.
Weitere Artikel zum Thema Trendgewicht, Ernährung und Abnehmen in seinem Blog

Danke für den Artikel

 

 

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